FFW Dörfling Geschichte

Ein Dorf steht zusammen Unsere Feuerwehr

Die landesweite Entwicklung im 19. Jahrhundert begünstigte auch in der Gemeinde Michelsneukirchen die Bildung freiwilliger Feuerwehren. Die Michelsneukirchener Wehr wurde 1874 gegründet und war die erste organisierte Wehr der Gemeinde.


Verzeichnis 1895 Ausrüstung

  • 1 große Saug- und Druckspritze, Feuerhaus
  • 1 ein-rädige Druckspritze
  • 1 Buttenspritze, bei Schmied in Dörfling (Anwesen Lugauer)
  • 2 Handspritzen
  • 2 Hackenleitern, Feuerrequisitenhaus
  • 5 Dachleitern an der Friedhofsmauer unterm Dach
  • 1 Direktionsfahne
  • 1 Kommandantenhuppe bei Hauptmann Blab
  • 1 Obersteigerhuppe bei Obersteiger
  • 5 Steigerausrüstungen, Löschrequisitenhaus
  • 189 m Hanfschläuche mit Normalgewinde
  • 30 m Hanfschläuche ohne Normalgewinde
Wie die Aufstellung zeigt, verfügte die Michelsneukirchener Feuerwehr über einen für die damaligen Verhältnisse durchaus guten Ausrüstungsstand. Allerdings sah sich die großflächige Gemeinde (3134 ha) bald Forderungen ihrer Dörflinger Bürger, vertreten durch das königliche Bezirksamt Roding, gegenüber, die sich wohl aufgrund der Ausstattung mit nur einer Buttenspritze in Dörfling hinsichtlich des Feuerschutzes benachteiligt fühlten. Allerdings stand den Dörflingern ein langer Kampf um die Bewilligung von Geldern für eine Feuerspritze bevor.


Der Kampf der Dörflinger FFW Anschaffung einer Feuerspritze 1895

Am 17. Januar 1895 lehnte der Gemeindeausschuss unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Baptist Simmel zum ersten Mal die Anschaffung einer Feuerspritze für Dörfling ab, mit folgender Begründung:
„Es könne dem Vorschlag des kgl. Bezirksamtes Roding vom 4. Januar laufenden Jahres für Dörfling eine fahrbare Saug- und Druckspritze anzuschaffen nicht entsprochen werden. In Dörfling mit Umgebung besteht nur mit Ausnahme von Woppmannsdorf, welches 6 Anwesen in einem Complege aufweist, aus vereinzelten Gehöften, zu welchen Gehöften im Brandfalle Fuhrwerke schwer zu bringen sind, indem die Gegend bergig ist. Wenn nun auch eine fahrbare Feuerspritze sich dort befände, so würde es dem einzelnen Hof wenig nützen, weil die Spritze nach geraumer Zeit erst eintreffen könnte. Im ganzen näheren Bezirke Dörfling mit Woppmannsdorf befinden sich selten zwei Pferde, welche dann auch nicht immer zur Hand sind. Was aber noch mehr ins Gewicht fällt, ist, dass die Gegend, mit einigen Ausnahmen von Woppmannsdorf, ohne irgendwelche Wasseranlagen ist, und solche auch hart anzubringen sind. Die in Dörfling untergebrachte tragbare Buttenspritze, die leicht überall hin geliefert werden kann und vortrefflich ist, thut für die zerstreute unwegsame Gegend weitsbessere Dienste, als eine fahrbare Saug- und Druckspritze. Zudem befinden sich in Michaelsneukirchen zwei gute Maschinen und bei der bewährten Haltung der freiwilligen Feuerwehr Michaelsneukirchen sind diese Maschinen schneller am Platze als eine in Dörfling untergebrachte. Eine Saug- und Druckspritze in Dörfling könnte höchstens für die etwa 10 oder 11 Gebäude von Dörfling und Woppmannsdorf einigermaßen von Nutzen sein..“


Gründung einer selbstständigen Dörflinger FFW Gründung der Dorffeuerwehr

Nachdem den Dörflingern wiederholte male die beantragte Feuerspritze verwehrt wurde, versammelten sich am 28. Juli 1901 29 Männer aus Dörfling und Umgebung um eine freiwillige Feuerwehr zu gründen.
Gründerliste:

    I. Chargen

  • Denk Johann Bauer, Dörfling,10.April 1852, Vorstand

  • Janker Michael, Bauer, Hutting, 10. Dezember 1865, Kommandant

  • Kerscher Johann, Bauer, Eidengrub, 20. Juni 1850, Adjutant, Ausgetreten +

  • Kraus Michael, Lehrer, Dörfling, 12. März 1869, Schriftführer, Verzogen nach Wolkering

  • Lugauer Wolfgang, Schmiedmeister, Dörfling, 11. März 1852, Zeugwart, Ausgetreten

  • Schichtl Joseph, Bauer, Hutting, 18. August 1856, Kassier, Ausgetreten

  • Rittler Michael, Schreiner, Dörfling, 5. März 1868, Signalist, Verzogen nach Trasching


    II. Mannschaften: Steiger

  • Janker Johann Zimmermann, Hutting, 22. Febr. 1864, Rottenfahrer

  • Heubeck Joseph, Zimmermann, Woppmannsdorf, 03. März 1862, Steiger

  • Meister Alois, Wagner, Woppmannsdorf, 26. Februar 1869

  • Stäubl Joseph, Häusler, Woppmannsdorf, 10. März 1877

  • Stoiber Johann Bapt. Schmied, Woppmannsdorf, 09. April 1877

  • Piendl Karl, Söldnerssohn, Woppmannsdorf, 15. Febr. 1875, z.Zt. als Sturmmann in Belgien

  • Denk Johann jun. Bauern(sohn), Dörfling, 10. November 1883, z.Zt. beim Militär wieder im Dienste


    II. Mannschaften: Spritzenmänner

  • Paulus Michael Bauer, Woppmannsdorf, 8.Mai.1868, Rottenfahrer, verzogen nach Kagerhof

  • Aschenbrenner Georg Söldner, Eidengrub, 13. April 1856, Ordnungsmann

  • Aschenbrenner Peter Wirt, Woppmannsdorf, 21. März 1859, gestorben

  • Bauer Georg, Häusler, Elend, 21. Januar 1863, ausgetreten

  • Hecht Joseph Inwohner, Woppmannsdorf, 26. Januar 1846, gestorben

  • Janker Johann Bauer, Wolletsthal, 09. September 1853

  • Janker Georg Bauernsohn, Wolletsthal, 26. Februar 1883, verzogen

  • Kerscher Georg Müller, Eidengrub, 29. Oktober 1875, verzogen nach Wiesing

  • Krottenthaler Johann B. Bauer, Hutting, 20. Februar 1877

  • Schaller Georg Bauer, Wolletsthal, 05. April 1862

  • Schießl Joseph Bauer, Elend, 19. August 1867, gestroben


    II. Mannschaften: Ordnungsmänner

  • Schmidbauer Matthias Müller, Neudeck, 25.Januar 1863

  • Paulus Georg Müller, Woppmannsdorf, 25. November 1852

  • Wiesmüller Johann Häusler, Woppmannsdorf, 01. November 1851, ausgetreten

  • Stäubl Michael Häusler, Woppmannsdorf, 14. September 1844, Sanitäter


Der Kampf der Dörflinger FFW Nach der Gründung

Schon bald nach der Gründung, ging der Streit um die Austattung mit den nötigsten Gerätschaften weiter. Im Januar 1902 stellte die FFW Dörfling erneut einen Antrag auf eine Feuerwehrspritze. Nach einen extra einberufenen Gemeindeausschuss der Michelsneukirchener, kam man zu der Entscheidung, Dörfling 300 Mark für die Spritze und 50 Mark für Sonderposten zu gewähren. Allerdings unter der Bedingung, dass die Dörflinger keine weiteren Anträge mehr an die Gemeinde stellen.
März 1902 wurde der Beschluss leider wieder gekippt, mit der Begründung, dass es genügend Ortsfeuerwehren in der Umgebung von Dörfling gibt (Kalsing, Zimmering, Au, Trasching). Ohne jedliche Löschgeräte, hatte die FFW Dörfling leider jede Daseinsberechtigung verloren. Da man nicht kampflos untergehen wollte, wurden weitere Anträge gestellt und das Gespräch gesucht, bis schlussendlich im April 1902 das Bezirksamt Roding nachgab und die Gelder schlussendlich bewilligte.
Von den Geldern wurde eine Handspritze mit Schlauch für 1090 Mark angeschafft, was bei einem Zuschuss von 300 Mark durch die Kommune, eine enorme finanzielle Belastung für die Dörflinger darstellte. Aus diesem Grund und wohl auch wegen der Krise des Ersten Weltkrieges konnte die Dörfliner Feuerwehr diese Schuld erst in den 1930er Jahren abtragen. Aus einem Schreiben der Firma Paul Ludwig geht für das Jahr 1926 eine Restschuld von immer noch 636 Goldmark hervor. Die Spritze befindet sich allerdings immer noch im Besitz der Dörflinger und ist heute noch in einem tadellosen Zustand.


Verlust der Eigenständigkeit 1930er Jahre -
Eingliederung der FFW

Die 30er Jahre brachten auch für die Dörflinger einige Veränderungen mit sich. Am 1. Januar 1936 wurde die FFW Dörfling dem Namen nach aufgelöst und in die Michelsneukirchener Wehr eingegliedert zur „Freiwilligen Feuerwehr, Bezirksamt Roding, mit den Abteilungen Michaelsneukirchen und Dörfling“. Die Führungspositionen der Feuerwehr wurden an die bisherigen Amtsträger der FFW Michelsneukirchen vergeben, nur der Dörflinger Zeugmeister durfte seinen Dienstgrad beibehalten. „Die Verwaltungsdienstgrade der bisherigen selbständigen freiw. Feuerwehr Dörfling sind mit dem 31.12.1935 aus dem Amt geschieden und haben die Akten der Führung der freiw. Feuerwehr Michaelsneukirchen übergeben“, wie aus einem Schreiben des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes vom 29.04.1936 hervorgeht. Nur der Dörflinger Kommandant durfte sich noch „Abteilungsführer“ nennen. Immerhin durften zumindest die hart erkämpften Ausrüstungsgegenstände in Dörflinger Besitz bleiben. Für manchen um Selbstständigkeit von der „Oberen Gemeinde“ bemühten Dörflinger Bürger dürfte dies wohl ein Rückschritt gewesen sein. Allerdings bestand die Dörflinger Wehr, wenn auch als Abteilung weiter und ging, so weit aufgrund des Zweiten Weltkrieges überhaupt möglich, ihren Aufgaben weiter nach.


Der Kampf der Dörflinger FFW Neustart nach dem Krieg

Nach dem Ende des Krieges und der Niederschlagung der Nazidiktatur fand man sich gleich wieder zusammen und gründete die Freiwillige Feuerwehr Dörfling am 03. November 1946 auch offiziell neu. Protokollbuch geht folgender Bericht hervor:
Gründungsversammlung der FFW Dörfling
Am 13. Oktober 1946 nachmittags 3.00 wurde im Gasthaus Dengler – Woppmannsdorf eine Versammlung zur Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr Dörfling einberufen. Von der Gemeinde waren hierzu erschienen: Herr Bürgermeister Knott und Herr Groß – Zwinger. Bürgermeister Knott eröffnete die Versammlung und begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder der ehemaligen Feuerwehr, sowie jene, die sich zur Neuaufnahme eingefunden hatten. Sodann sprach er in frischer Weise über Notwendigkeit und Bedeutung der Feuerwehr. Die hierauf registrierten neuen Mitglieder einigten sich auf Herrn Josef Denk – Dörfling als vorläufigen Kommandanten. Unter seiner Leitung erfolgte sogleich die Wahl des Verwaltungsrates, die folgende Aufstellung ergab. Es wurde gewählt zum:

  • Kommandanten: Denk Josef
  • Adjutanten: Niklas Albert, Wieden
  • Kassier: Stoiber Georg, Woppmannsdorf
  • Zeugwart: Schuierer Josef, Eidengrub

Nicht nur für Dörfling waren die Nachkriegsjahre schwierig. Dies bedeutete, dass es bis zum Jahr 1954 dauerte, bis die Wehr finanziell in der Lage, sich die erste – gebrauchte – Motorspritze, eine TS 8 zu kaufen. Insofern hatte man sich über 30 Jahre lang mit der alten Spritze beholfen, wenn es darum ging, Brände zu bekämpfen. Noch im selben Jahr wurde ein Anhänger gebaut, auf dem auch das Schlauchmaterial und die übrige Ausrüstung Platz hatten. Ein großer Nachteil war, dass man für den Transport des Gerätes auf einen Schlepper zurückgreifen musste. Im Vergleich zu den Jahren vorher hatte man jedoch große Fortschritte gemacht. Die gebrauchte TS 8 Spritze tat nicht sehr lange ihren Dienst. Bereits im Jahr 1957 musste man wieder Geld locker machen und diesmal eine neue TS 6 mit VW-Motor anschaffen. Diese wurde im Zuge einer großzügigen Spende der Gemeinde Michelsneukirchen zum 75-jährigen Gründungsfest der FFW Dörfling im Jahr 1975 durch eine TS 8 im Wert von 11.000,- DM ersetzt, die bis 1996 reibungslos funktionierte und erst dann durch eine neue Tragkraftspritze TS 8/8 erneuert wurde